Tiefkühlobst für Hunde: Was Du bei Beeren, Hundeeis und Hundekeksen beachten solltest
Tiefkühlobst finde ich beim Backen ziemlich praktisch. Blaubeeren, Himbeeren oder Erdbeeren sind unabhängig von der Saison verfügbar und man kann genau die Menge aus dem Gefrierfach nehmen, die man gerade braucht. Auch für Hundeeis liegt es natürlich nahe, einfach ein paar gefrorene Beeren mit in den Mixer zu geben.
Ganz so unkompliziert ist es allerdings nicht.
Tiefkühlbeeren fallen immer wieder durch Verunreinigungen mit Krankheitserregern auf. Dabei geht es unter anderem um Noroviren oder Hepatitis-A-Viren. Das Problem ist nicht neu. In Europa gab es in den vergangenen Jahren wiederholt entsprechende Warnungen und Ausbrüche. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt deshalb, Tiefkühlbeeren vor dem Verzehr ausreichend zu erhitzen.
Aber gilt das auch, wenn die Beeren für den Hund gedacht sind? Und reicht es nicht aus, wenn die Hundekekse später sowieso in den Backofen kommen?
Genau das schauen wir uns etwas genauer an.
Dürfen Hunde überhaupt Tiefkühlobst essen?
Grundsätzlich spricht nichts dagegen, für Hunde geeignetes Obst auch tiefgekühlt zu kaufen.
Zum Beispiel:
- Blaubeeren
- Himbeeren
- Brombeeren
- Erdbeeren
- Mango
- Apfel
- Birne
Natürlich muss das jeweilige Obst grundsätzlich für Hunde geeignet sein. Weintrauben gehören beispielsweise nicht in Hundesnacks – unabhängig davon, ob sie frisch, getrocknet oder tiefgekühlt sind. Weintrauben und Rosinen können bei Hunden schwere Vergiftungen verursachen.
Bei Steinobst wie Kirschen, Pflaumen oder Aprikosen würde ich außerdem immer darauf achten, dass keine Kerne enthalten sind.
Bei reinem Tiefkühlobst besteht die Zutatenliste normalerweise tatsächlich nur aus Obst. Trotzdem schaue ich beim Einkaufen kurz auf die Packung. Bei Fruchtmischungen, Smoothie-Mischungen und fertig vorbereiteten Fruchtprodukten können zusätzliche Zutaten enthalten sein.
Und genau da wird es für Hundesnacks interessant.
Tiefgekühlt bedeutet nicht keimfrei
Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt bei diesem Thema.
Durch das Einfrieren werden Lebensmittel länger haltbar, weil sich Mikroorganismen bei diesen Temperaturen nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt vermehren können. Vorhandene Keime verschwinden dadurch aber nicht automatisch.
Ein großer Teil der Bakterien kann den Tiefgefrierprozess überleben. Auf Viren hat das Tiefgefrieren laut BfR sogar keinen abtötenden Effekt.
Wenn beispielsweise Beeren bereits vor dem Einfrieren mit Viren verunreinigt waren, können diese deshalb nach dem Auftauen weiterhin vorhanden sein.
Das ist auch der Grund, warum die Aussage „Das war doch tiefgefroren“ aus Sicht der Lebensmittelsicherheit wenig aussagt.
Wie können überhaupt Keime auf Tiefkühlobst gelangen?
Obst wird nicht erst in unserer Küche mit Keimen konfrontiert. Eine Verunreinigung kann an verschiedenen Stellen passieren – beispielsweise während des Anbaus, bei der Ernte, beim Waschen, bei der Verarbeitung oder beim Verpacken.
Bei Beeren können Krankheitserreger unter anderem durch verunreinigtes Wasser auf die Früchte gelangen. Auch Menschen, die während Ernte oder Verarbeitung mit dem Obst in Kontakt kommen, können eine mögliche Quelle sein.
Das BfR beschreibt beispielsweise, dass Noroviren über verunreinigtes Wasser oder während der Verarbeitung auf Tiefkühlbeeren gelangen können.
Das Gemeine daran: Du kannst einer Beere nicht ansehen, ob sie betroffen ist.
Sie kann völlig normal aussehen, riechen und schmecken.
Abwaschen löst das Problem ebenfalls nicht zuverlässig.
Können Noroviren und andere Erreger auch Hunde krank machen?
Hier muss man etwas unterscheiden.
Viele Berichte über belastete Tiefkühlbeeren beziehen sich auf Krankheitserreger, die vor allem beim Menschen eine Rolle spielen. Dazu gehören beispielsweise humane Noroviren und Hepatitis-A-Viren.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jeder dieser Erreger beim Hund dieselbe Erkrankung auslöst.
Gerade bei humanen Noroviren ist die Situation nicht ganz eindeutig. Es gibt Untersuchungen, bei denen humane Noroviren beziehungsweise Hinweise auf einen Kontakt mit diesen Viren bei Hunden gefunden wurden. Ob und unter welchen Umständen daraus tatsächlich eine Erkrankung oder eine relevante Übertragung entsteht, ist allerdings nicht abschließend geklärt.
Bei Bakterien sieht es teilweise anders aus.
Salmonellen können beispielsweise auch Hunde infizieren. Erwachsene gesunde Hunde erkranken zwar nicht zwangsläufig nach jedem Kontakt, eine Salmonellose mit Durchfall und weiteren Beschwerden ist aber möglich. Außerdem können Hunde Salmonellen ausscheiden, ohne deutlich krank zu wirken.
Auch bei der Fütterung gilt deshalb für mich: Nur weil ein Lebensmittel für den Hund bestimmt ist, würde ich bei der Küchenhygiene keine anderen Maßstäbe anlegen.
Das gilt besonders, wenn im Haushalt Kinder, ältere Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem leben. Schließlich werden Hundesnacks meistens in derselben Küche vorbereitet, in der auch das Essen für die Familie entsteht.
Tiefkühlbeeren für Hunde deshalb vorher erhitzen
Für Tiefkühlbeeren ist die Empfehlung des BfR ziemlich eindeutig: Sie sollten gleichmäßig auf etwa 90 °C erhitzt werden, damit auch vergleichsweise hitzestabile Viren inaktiviert werden.
Ich würde Tiefkühlbeeren deshalb nicht direkt aus dem Gefrierfach in Hundeeis, eine Schleckmatten-Mischung oder einen ungebackenen Snack geben.
In meiner Küche würde ich es so machen:
Die benötigte Menge Beeren kommt direkt in einen kleinen Topf. Bei niedriger bis mittlerer Hitze lasse ich sie auftauen und erhitze sie anschließend gründlich. Dabei immer wieder umrühren.
Gerade ganze Erdbeeren oder größere Fruchtstücke dürfen nicht nur außen heiß werden. Die Temperatur sollte das Obst gleichmäßig erreichen.
Danach kannst Du die Früchte pürieren und abkühlen lassen.
Das dauert ein paar Minuten mehr, ist beim späteren Verarbeiten aber kaum zusätzlicher Aufwand.
Muss ich die Beeren vorher auftauen?
Nicht unbedingt.
Du kannst sie direkt gefroren in einen Topf geben. Etwas einfacher lässt sich eine gleichmäßige Temperatur allerdings erreichen, wenn Du nicht gleich einen halben Beutel auf einmal erhitzt.
Ich nehme lieber nur die Portion, die ich anschließend tatsächlich brauche.
Nach dem Erhitzen lasse ich das Fruchtpüree abkühlen und verarbeite es weiter.
Reicht das Backen der Hundekekse nicht aus?
Das klingt zunächst logisch: Ein Hundekeks wird schließlich bei deutlich mehr als 90 °C gebacken.
Die Backofentemperatur ist allerdings nicht dasselbe wie die Temperatur im Inneren des Lebensmittels.
Wenn Dein Backofen beispielsweise auf 160 °C eingestellt ist, bedeutet das nicht, dass jeder Bestandteil des Teiges sofort ebenfalls 160 °C erreicht.
Gerade feuchte Teige und größere Kekse benötigen eine gewisse Zeit, bis sie vollständig erhitzt sind.
Bei Backmattenkeksen ist das Risiko durch die kleinen Formen wahrscheinlich geringer als bei einem großen, sehr feuchten Hundekuchen. Trotzdem würde ich mich darauf nicht verlassen.
Das BfR weist bei Tiefkühlbeeren ausdrücklich darauf hin, dass eine kurze oder ungleichmäßige Erhitzung nicht ausreichen kann.
Deshalb finde ich die einfachere Lösung sinnvoller: Beeren erst erhitzen und anschließend in den Teig geben.
Dann musst Du beim Backen nicht darüber nachdenken, welche Kerntemperatur die einzelnen Kekse tatsächlich erreicht haben.
Für Backmattenrezepte hat das noch einen praktischen Nebeneffekt. Erwärmte Beeren werden sehr weich und lassen sich anschließend fein pürieren. Dadurch bleiben keine größeren Stückchen im Teig hängen und er lässt sich leichter über kleine Backmattenformen streichen.
Was ist mit Hundeeis?
Gerade bei Hundeeis ist das Thema noch wichtiger, weil anschließend keine weitere Erhitzung mehr erfolgt.
Gefrorene Blaubeeren direkt mit etwas Joghurt in den Mixer zu werfen, würde ich deshalb nicht empfehlen.
Stattdessen:
Beeren erhitzen, fein pürieren und vollständig abkühlen lassen. Danach kannst Du sie mit den anderen Zutaten für das Hundeeis vermischen und wieder einfrieren.
Das erneute Einfrieren nach dem Erhitzen ist dabei kein Problem, solange Du sauber arbeitest und das Fruchtpüree nach dem Erhitzen nicht stundenlang bei Raumtemperatur stehen lässt.
Wenn ich sowieso Beeren erhitze, würde ich direkt eine etwas größere Menge vorbereiten. Das abgekühlte Püree lässt sich portionsweise einfrieren. Dann hast Du für Hundeeis oder den nächsten Keksteig bereits vorbereitetes Obst im Gefrierfach.
Wichtig ist nur, sauber zu portionieren. Nicht immer wieder denselben Behälter auftauen und zurück in den Gefrierschrank stellen.
Tiefkühlobst vor der Verarbeitung abwaschen?
Bei frischem Obst gehört Waschen für mich ganz selbstverständlich dazu.
Bei Tiefkühlbeeren ist Abwaschen allerdings kein Ersatz für das Erhitzen.
Wasser kann Schmutz und einen Teil oberflächlicher Verunreinigungen entfernen. Viren und andere Krankheitserreger lassen sich dadurch aber nicht zuverlässig beseitigen.
Wenn auf der Verpackung konkrete Zubereitungshinweise stehen, würde ich mich deshalb daran halten.
Bei diesen Tiefkühlprodukten schaue ich genauer auf die Zutatenliste
Eine Packung mit „100 % Heidelbeeren“ ist ziemlich eindeutig.
Anders sieht es bei Smoothie-Mischungen, Fruchtzubereitungen, fertigen Bowls oder portionierten Dessertmischungen aus.
Dort können weitere Zutaten enthalten sein.
Für Hundesnacks würde ich Produkte mit möglichst kurzer Zutatenliste wählen.
Vor allem auf Süßungsmittel solltest Du achten.
Xylit gehört niemals in Hundesnacks
Besonders problematisch ist Xylit, auch Xylitol oder Birkenzucker genannt. Auf Zutatenlisten kann außerdem die Bezeichnung E967 auftauchen.
Xylit kann bei Hunden eine starke Insulinausschüttung verursachen. Dadurch kann der Blutzuckerspiegel sehr schnell absinken. In schweren Fällen sind außerdem Leberschäden möglich.
Wenn ein Produkt Xylit enthält, ist es für Hunde deshalb tabu.
In einer normalen Packung ungesüßter Tiefkühlbeeren wirst Du Xylit normalerweise nicht finden. Interessanter wird der Blick auf die Zutatenliste bei verarbeiteten Produkten, zuckerfreien Fruchtzubereitungen oder Mischungen, die eigentlich für Smoothies oder Desserts gedacht sind.
Zusätzlich zugesetzten Zucker braucht ein Hundesnack ebenfalls nicht.
Er ist zwar nicht mit Xylit gleichzusetzen, bringt für einen Hundekeks aber schlicht keinen Vorteil.
Auch bei der Obstauswahl selbst gibt es ein paar Stolperfallen
Nicht jede bunte Tiefkühlmischung lässt sich automatisch für den Hund verwenden.
Bei diesen Punkten würde ich genauer hinschauen:
Weintrauben:
Weintrauben und Rosinen gehören nicht in Hundesnacks. Welche Menge bei einem einzelnen Hund zu einer Vergiftung führt, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Deshalb verzichte ich komplett darauf.
Obstkerne:
Bei Kirschen, Pflaumen, Pfirsichen oder Aprikosen sollten keine Kerne enthalten sein. Bei bereits entsteintem Tiefkühlobst ist das normalerweise erledigt, kontrollieren würde ich es trotzdem.
Gezuckerte Früchte:
Für Hundekekse oder Hundeeis würde ich immer ungesüßtes Obst verwenden.
Fruchtmischungen:
Nicht nur auf das Bild auf der Vorderseite schauen. Entscheidend ist die Zutatenliste.
Beschädigte Verpackungen:
Ist die Packung offen oder stark beschädigt, würde ich sie nicht mehr verwenden.
Sehr große Eiskristalle oder ein komplett zu einem Block gefrorener Inhalt können außerdem ein Hinweis darauf sein, dass das Produkt zwischendurch angetaut war. Das muss nicht automatisch bedeuten, dass es verdorben ist. Wenn ich aber nicht weiß, wie lange die Kühlkette unterbrochen war, würde ich es für Hundesnacks nicht mehr verwenden.
Kann ich selbst eingefrorenes Obst verwenden?
Ja. Das mache ich sogar gerne, wenn beispielsweise im Sommer viele Beeren übrig sind.
Auch hier gilt allerdings: Einfrieren macht das Obst nicht hygienischer als vorher.
Ich sortiere beschädigte oder schimmelige Früchte aus, wasche das Obst gründlich und friere es möglichst frisch ein.
Für Hundeeis oder andere ungebackene Snacks würde ich Beeren nach dem Auftauen trotzdem erhitzen.
Praktisch finde ich, bereits erhitztes und püriertes Obst portionsweise einzufrieren. Kleine Silikonformen eignen sich dafür gut. So kann man später genau die Menge herausnehmen, die für ein Rezept gebraucht wird.
Welche Tiefkühlfrüchte nutze ich gerne für Hundekekse?
Für Backmattenrezepte mag ich vor allem Blaubeeren, Himbeeren und Erdbeeren.
Beeren bringen allerdings relativ viel Flüssigkeit mit. Das merkt man besonders nach dem Auftauen.
Wenn in einem Rezept beispielsweise frische Blaubeeren vorgesehen sind und Du stattdessen aufgetaute Beeren verwendest, kann der Teig etwas dünner werden.
Ich würde deshalb nicht automatisch die komplette Flüssigkeit aus dem Topf mit in den Teig geben.
Erst die Beeren pürieren, einen Teil davon einarbeiten und schauen, wie sich die Konsistenz entwickelt.
Bei Backmatten sollte der Teig gut streichfähig sein, aber nicht wie Wasser aus den Formen laufen.
Für ausgestochene Hundekekse ist Fruchtpüree ebenfalls möglich. Dort muss allerdings entsprechend eine trockene Zutat angepasst werden, damit der Teig wieder formbar wird.
Tiefkühlobst ist also durchaus praktisch
Ich würde es wegen möglicher Keime nicht grundsätzlich aus der Hundeküche verbannen. Dafür gibt es keinen Grund.
Ich behandle Tiefkühlbeeren inzwischen einfach nicht mehr wie einen verzehrfertigen Snack direkt aus der Packung.
Wenn ich sie für Hundekekse, Hundeeis oder eine Schleckmatte verwenden möchte, erhitze ich sie vorher gründlich, püriere sie und lasse sie anschließend abkühlen.
Damit lässt sich Tiefkühlobst weiterhin sehr unkompliziert verwenden – und ich muss mir beim fertigen Snack keine Gedanken darüber machen, ob die Beeren ausreichend erhitzt wurden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Tiefkühlbeeren vor dem Verzehr besser gut durchkochen – mit Informationen zu Noroviren in Tiefkühlbeeren und der Empfehlung, sie ausreichend zu erhitzen.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Korrektes Kühlen von Lebensmitteln im Privathaushalt – erklärt unter anderem, dass ein großer Teil der Bakterien das Tiefgefrieren überlebt und Viren dadurch nicht abgetötet werden.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Vorkochen für mehrere Tage – Was ist zu beachten? – hier nennt das BfR für Tiefkühlbeeren konkret eine Erhitzung auf etwa 90 °C, um auch hitzeresistente Viren zu inaktivieren.
- Merck Veterinary Manual: Salmonellosis in Animals – Informationen zu Salmonellen bei Hunden und anderen Tieren sowie zur möglichen Ausscheidung durch symptomlose Tiere.
- FDA: Paws Off! Xylitol is Toxic to Dogs – Informationen zur Giftigkeit von Xylit für Hunde und zu möglichen Bezeichnungen von Xylit in Produkten.
- Merck Veterinary Manual: Xylitol Toxicosis in Dogs – veterinärmedizinische Informationen zur Xylitvergiftung beim Hund.
